Lasst uns reden!


"Ich empfinde das als aktive Sterbehilfe"

Ein offener Brief von Renan Demirkan an Ministerpräsident Armin Laschet zu den Folgen der Corona-Krise für Kunst und Kultur.



Corona oder die ‚Waffen’ des Finanzministers

Jede Krise zeigt die Schwachstellen einer Gesellschaft und ihre Stärken wie unter einem Vergrößerungsglas. Sie zeigt ihre Kompetenz und ihre solidarische Kraft. Überschwemmungen genauso –wie Finanzkrisen oder wie jetzt – die Pandemie durch das Corona Virus.

 

Dass und wie sehr Deutschland kompetent – besonnen und solidarisch ist – hat die koordinierte Allianz aus Politik - Medien und Gesellschaft in den letzten zwei Wochen glaubhaft bewiesen. Und hat mich – als eine aus der Risikogruppe ü60 – sogar beruhigt und auch etwas versöhnt mit der extrem beunruhigenden Gefahr durch diesen unsichtbaren Feind unserer Gesundheit und deren Folgen bis in den Intimbereich hinein.

 

Aber ein Satz des Finanzministers hängt mir an wie eine Klette - was – um Himmels Willen! meinte Olaf Scholz – als er sagte: er habe alle ‚Waffen auf den Tisch gelegt’. Und wie kam er auf dieses militante Bild – um seine politische Handlungssicherheit zu bezeugen?

 

Gemischt mit einem überraschend zuversichtlichen Gesichtsausdruck und einem ungewohnten Körpereinsatz - indem er die Arme weit in Richtung der JournalistenInnen öffnete: ‚alle unsere Waffen liegen auf den Tisch’  - 550 Milliarden Euro - um den ‚Abschwung der Wirtschaft aufzuhalten’

 

Seitdem frage ich mich: Für Wen war dieser Satz gedacht – oder gegen Wen gerichtet? Er müsste es doch wissen – ‚Waffen’ sind per Definition ‚Instrumente zur Verwundung oder Tötung eines Gegners’.

 

Also bitte - erklären Sie es mir Herr Scholz: an wen wollen Sie diese 550 Milliarden ‚Waffen’ verteilen?

 

Das Coronavirus lässt sich durch kein Geld aufhalten – durch keine Grenze und schon gar nicht durch Drohungen.

 

Also: wen soll diese Mobilmachung besänftigen – oder wem droht sie etwas an? Und wenn ja – wie sieht diese Bedrohung aus? Oder wen soll diese Waffenlieferung absichern?

 

Nein ich frage Sie nicht – ob Sie vielleicht das Virus töten wollen - Herr Finanzminister – aber ich frage sie – wen wollen sie wirklich retten mit dieser Metapher?

 

Als Jurist müssten Sie doch wissen – dass sie keine Waffen verteilen dürfen! Und ohne Waffenschein geht da ja sowieso nichts – also  –um weiter in ihrer Metapher zu bleiben: wer hat schon den nötigen Waffenschein und wer muss noch einen beantragen und wer käme dafür erst gar nicht in Frage?

 

Ich für mich sage Ihnen – ich will und brauche keinen Waffenschein und ich will auch keine Waffen – ich will – dass sie meine Steuergelder gerecht verteilen – und zwar an die – die in dieser Krise härter betroffen sind und noch sein werden  – als je in einer der vorangegangen Krisen!

 

Und das ist diesmal nicht die Wirtschaft – das sind nicht die Banken – das sind nicht die Aufsichtsräte und niemand von denen  – die auf der Liste der 500 reichsten Millionäre und Milliardäre der Republik stehen – die waren schon vor der letzten Krise gelistet  - und dieser Zirkel wird sich auch nach dieser Krise wieder vergrößern – weil sich wieder mal einige mit unseren Steuergeldern ‚gesundschrumpfen’ werden.

 

Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen Herr Scholz:

 

Mir geht es nicht darum – reiche Menschen an den Pranger zu stellen! Ich möchte deutlich machen – dass die Reichen nach dieser Krise ganz sicher nicht ärmer sein werden – während es die Schwachen diesmal wirklich noch viel härter treffen wird:

 

 die Zahl der Wohnungslosen und die Zahl der Bedürftigen vor den Tafeln wird explodieren!

 

 Und ich frage mich seit Tagen – warum haben sie diese Metapher gewählt – wie kommt ein Mensch in Friedenzeiten auf diese Idee? Ich bin Künstlerin – ich muss mich das fragen – denn jeder sprachliche Ausfall ist menschlich und hat menschliche Ursachen? Was war die Ursache bei Ihnen – einem Sozialdemokraten?

 

Also frage ich erneut - warum verteilen Sie unsere Steuergelder als ‚Waffen’ zur Rettung für die Wirtschaft und holen nicht die Wirtschaft als ‚Waffe’ für die Steuereinnahmen an ihren Tisch?

 

Warum rufen sie die 500 reichsten der Republik nicht zu Solidarität mit 80 Millionen ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger auf? oder bitten diese - von sich aus einen solidarischen Beitrag an die Allgemeinheit anzubieten:

 

Warum bitten Sie nicht Frau Klatten - Herrn Albrecht jr. - Herrn Schwarz - Frau Würth  - Herrn Oetker – die Liste ließe sich noch um weitere 495 ergänzen – und da sind die millionenschweren Aktionäre - Banken - Versicherungen und die gesamte Automobilindustrie nicht mitgezählt – warum bitten Sie diese nicht um eine Spende für Deutschland? Dass sie sich bereit erklären - für die nächsten 5 Jahre 75% ihres Einkommens zu versteuern? Es bliebe ihnen noch immer genug in ihren Börsen – mehr als die Mehrheit in einem Jahr verdient.

 

Die Starken könnten diesmal tatsächlich aktiv und wirkungsvoll das allgemeine Wohl stützen - statt wie so oft auf ‚Rettungsringe’ mit unseren Steuergeldern zu spekulieren.

 

Das wäre ein nachhaltiges und wirkmächtiges solidarisches Zeichen der Wirtschaft! Es wäre ein Bekenntnis – die Gesellschaft zusammenhalten zu wollen!  Es wäre ein Eingestehen – dass wir alle Betroffene sind! Es wäre ein sinnhaftes Angebot – gemeinsam gegen das nationalstaatliche Auseinanderdriften im In – und Ausland handeln zu wollen!

 

Stattdessen werden wahrscheinlich Riesenbeträge aus den Rücklagen des letzten Jahrzehnts – die von den Anteilen der Schwachen durch Lohndumping einbehalten wurden - wieder durch die Hinterstuben der ‚Krisengespräche’ auf Auslandskonten und in Abfindungsgehältern versickern.

 

Und ich sage das – fernab aller Verschwörungstheorien! Dies ist eine belegte Erkenntnis nach den vergangenen Krisen - sowie auch während und nach der Vereinigung geschehen!

 

Heute wissen es bereits die Schulanfänger – dass Rettungs-Kredite derzeit so günstig sind– wie seit Jahrzehnten nicht.

 

Trotzdem – und das bestätigen sämtliche Ökonomen der Republik - kann derzeit Niemand die Wirtschaft ankurbeln oder Nachfrage generieren - denn die Produktionsketten sind unterbrochen. Außerdem können kasernierte Menschen nichts kaufen.

 

Aber sie brauchen Geld – um wenigstens ihre Miete und den Lieferservice bezahlen zu können!

 

Auch wenn Kinder und Jugendliche ihre rührende Hilfsangebote für Hilfsbedürftige an Bäume tackern – bleibt es leider nur eine wunderbare Geste und ist kein Trost – denn am Ende des Monats bleibt das Konto leer.

 

Wie wollen Sie mir da helfen Herr Scholz? Welche ‚Waffen’ haben Sie da für mich vorgesehen?

 

Waren sei vielleicht nur überfordert - wie wir alle und fanden nicht die richtigen Worte. Dann sollten sie diesen Satz richtigstellen!

 

Mittlerweile ist es dem größten Skeptiker dieser Virusgefahr klar geworden – dass sie länger dauern wird und anders behandelt werden muss - als alle bisherigen Bedrohungen des gesellschaftlichen Friedens!

 

Deshalb glaube ich fest – dass es dringend notwendig ist – dass sich der Arbeitsminister – der Wirtschaftsminister und der Finanzminister zusammensetzen und einen sozialen Notplan vorlegen müssen – mit einem unbürokratischen Bürgergeld für alle betroffenen Berufsgruppen – die auf Rechnung arbeiten

 

Nötig wäre eine Unterstützung von 1.500€ - um den Ruin abzuwenden und nicht in der Verschuldung zu versinken – denn die meisten dieser Betroffenen haben kaum oder gar keine Rücklagen – um Ausfälle dieser Größenordnung abzufedern.

 

Das wäre eine nachhaltige Investition unserer Steuergelder in die soziale Balance – was sich irgendwann auch wieder auf den Konsum auswirken wird und so in den Wirtschaftskreislauf gehen würde – während die Entschädigungsgelder für Einkommenseinbußen – wahrscheinlich mehrheitlich wieder in Steueroasen verschwinden.

 

Ein sozialer Notplan der Bundesrepublik wäre eine Investition in die Demokratie – die vom Zusammenhalt aller gesellschaftlichen Gruppen lebt!

 

Eine Bereitschaft zu einer höheren Besteuerung der 500 Reichsten wäre eine Vitaminspritze für das lädierte Gemeinwohlgefühl.

 

Beide Maßnahmen zusammen wären eine nachhaltige Stärkung des Gemeinsinns – und ein unübersehbares Signal an alle – dass die offene Gesellschaft offen bleiben wird!

 

Renan Demirkan am 15.3.2020

 

 

 

"Eine Art Gegenentwurf zu Sarrazin"

Die hr-Sendung "Hauptsache Kultur" erklärt "... wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne" zum Gegenentwurf für Thilo Sarrazins Bestseller-Thesen.

Dem Ausgrenzer werden von unseren AutorInnen lebensbejahende Entwürfe für die Weiterentwicklung der offenen Gesellschaft entgegengestellt. 

 

Dort 1 Rassist, hier 43 DemokratInnen: #wirsindmehr

 

Die Sendung finden Sie hier.

 


InTERVIEW ZUM BUCH

Renan Demirkan im WDR-Interview zum Buch "...wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne" und warum sich Engagement für unsere Demokratie lohnt - hört rein:

 

Zum Interview



ES IST VOLLBRACHT!

Unsere Aktionen im Jahr 2018

Am 11. September 2018 erscheint im Schüren-Verlag das von Checkpoint: Demokratie herausgegebene Buch "...wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne".

 

Das Werk ist voller Inspirationen, Ideen, Analysen und neuen Sichtweisen auf den Zustand unserer Demokratie und deren Zukunft. Eine Festschrift der Demokratie!

 

Mehr zum Buch und den 43 Autorinnen und Autoren erfahren Sie hier. Mitgewirkt haben Philipp Lahm, Guido Maria Kretschmer, Gesine Schwan, Michel Friedmann, Tanja Dückers, Götz Werner, Axel Pape, Hannah Dübgen, Gert Heidenreich, Antonia Rados, Nico Hofmann, Franziska Augstein, Mirna Funk, Sineb El Masrar, Judith Döker u.v.m.

 

Kaufen können Sie das Buch direkt im Schüren-Verlag oder in jeder gut sortierten Buchhandlung.

 

Wir danken allen Mitwirkenden für Ihren Einsatz und sind stolz, in nur etwa drei Monaten dieses wunderbare Werk realisiert zu haben!




Rückblick auf den Aktionstag vom 11.06.2017 in Köln

Am 11. Juni 2017 fand in Köln unter dem Titel „Lasst uns reden!“ ein Bürgerdiskurs statt. Rückblick Programm >>


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