RENAN DEMIRKAN | RESPEKT!

IMPULSGEDANKEN

 

Impulsgedanken

 

Für das SPD-Gespräch am 14.6.2021

 

Von Renan Demirkan 

Für mich ist die 'soziale Demokratie' mehr als nur eine politische Philosophie. Sie ist vor allem eine Lebensform, die von Millionen auf der ganzen Welt ersehnt wird, allerdings nur in wenigen Orten so realisiert werden konnte, wie es glücklicherweise bei uns möglich war!

 

Und ich beobachte es mit wirklich großer Freude, dass sich sowohl die Union – die Grünen und wie auch die Linken immer weiter sozialdemokratisiert haben!

 

Und gleichzeitig bin ich verzweifelt darüber, wie sich das Original selbst demontiert hat!

 

Ich glaube fest – dass die Demokratie der Moderne vor allem sozial gestaltet werden muss!
Mit einer nachhaltigen Gemeinschaftskultur von Mensch – Tier und Natur!

 

Dazu brauchen wir vor allem eine Balance der Teilhabe und die Solidarität der Finanzstarken mit den Finanzschwachen.

 

Stichworte sind: Bürgergeld – Bürgerversicherung – bedingungsloses Grundeinkommen

 

Für eine nachhaltige Gemeinschaftskultur müssen wir außerdem grundsätzlich über unsere Ernährung und unseren Konsum nachdenken und sie neu justieren.

 

Dafür brauchen wir ein anderes Wissen über uns selbst – ein ganzheitliches Wissen über Ursache und Wirkung unseres Handelns und wir müssen präziser erkennen – was uns weltweit verbindet und wie ähnlich wir uns sind und dass die Verschiedenheiten uns bereichern und ergänzen!

 

Wir brauchen neue Lehrbücher über die analoge Welt und mehr Kontrolle über die digitalen Medien.

 

Das sind nur einige Grundlagen des Respekts als Gesellschaftsmodell.

 

Denn ich bin sicher, dass zukünftig nicht die Masse an Mode oder die Menge an Fleisch entscheidend sein wird – sondern die Qualität der Kleidung – die Qualität des Fleisches – die Qualität der Luft und die Qualität der Produktion und des Konsums insgesamt.

 

Und in dem Masse – wie wir weniger Schrott produzieren und verzehren – sinken sowohl die Preise als auch die Umweltbelastung und die Müllberge!

 

Und als Kind von unbeirrbar zukunftsorientierten Migranten habe ich vor allem eins gelernt:

 

Dass wir es schaffen können – wenn wir es nur wollen!

 

Demokratie ist eine Anstrengung – sie entsteht und bleibt nur mit der Bereitschaft von uns Allen!

 

So sehr diese Pandemie mich kaserniert hat – so wie uns alle!– so sehr hat sie mich aber auch – paradoxerweise! näher an die Welt gebracht!

 

An die Idee einer Welt – als ein gemeinsames Projekt!

 

Denn jede und jeder auf dem ganzen Globus konnte in Echtzeit erleben – dass wir Menschen mehrheitlich zusammenhalten – mitfühlen und fürsorglich sind!

 

Und diese Erfahrung hat mich ermutigt – dieses Eineweltgefühl noch weiter zu denken!

 

Armut ist Menschen gemacht – also können wir sie auch wieder abschaffen!

 

Wie stark die soziale Schere nach Corona auseinander driften wird – wird sich erst mit Verzögerung zeigen!

 

Aber sie wird ganz sicher eine Menge mehr Armut produzieren!

 

Trotz der Milliarden – die dankenswerter Weise das Allerschlimmste wohl noch abgefedert haben.

 

Und damit wir es noch weiter abfedern können -  schlage ich einen erhöhten Spitzensteuersatz ab 100.000€ auf 53% vor!

Dass das möglich ist - habe ich unter Kohl selbst erlebt! Niemand stirbt daran und es bleibt auch noch genug über!

 

Und zusätzlich möchte ich an die Verantwortung die Starken unter uns appellieren – und schlage eine 70%ige Besteuerung der Einkommen über eine Million vor – für zunächst auf 5 Jahre begrenzt!

 

Auch wenn ich diese Einkommenshöhe selbst noch nicht erlebt habe – so melden sich immer mehr Millionäre der jüngeren Generation – die dasselbe fordern!

 

Und ich bin überzeugt – dass wir das alles schaffen könnten – wenn wir mit einer starken Sozialdemokratie regieren würden!

 

Die Verfassungsmütter und -väter unseres Landes hatten es selbst erlebt, dass und wie Ungleichheit und Armut durch rassistische Propaganda instrumentalisiert wurde, um in der Folge jegliche geistige und kulturelle Verschiedenheit und Vielfalt zu dämonisieren, zu kriminalisieren, und sie schließlich millionenfach zu töten!

 

Und deshalb haben sie uns die Pflicht zur sozialen Balance in die Verfassung geschrieben.

 

Der heutige Rassismus, der als 'Rechtsruck' verharmlost wird, ist noch immer ein Synonym für mangelnde Perspektiven und mangelnde Teilhabe!

 

Und je nach Region, reagieren Menschen sehr unterschiedlich:

 

Wenn die Perspektiven völlig aussichtslos sind, nehmen die Verzweifelten jede nur erdenkliche Strapaze für ein besseres Leben in Kauf und ziehen weiter und kommen so oft nicht mal an.

 

Dagegen entsteht in wohlhabenden Gesellschaften Widerstand.

 

Wenn der – zu meinem Bedauern ausgerechnet von einer rot-grünen Regierung! völlig verantwortungslos deregulierte Wirtschaftsliberalismus - die Teilhabe nur auf ‚Kaufen und Konsumieren’ reduziert!

 

Mit dem Wahlspruch: ‚Sozial ist was Arbeit schafft’- wurde der ganzheitliche Mensch als Kulturwesen aufgelöst!

 

Eineurojobs – Leiharbeit – Zeitarbeit sind Begriffe der Demütigung und das macht mürbe – traurig, depressiv und empfänglich für völkische Demagogen, die die sozialen Probleme mit 'Sündenbocktheorien' ethnisieren!

 

Denn gleichzeitig wurden Bildung, Ausbildung, gerechte Löhne, zu einem Privileg für einige Wenige!

 

Wie schnell Hetze abgehängte Massen mobilisieren und auch die Medien manipulieren kann, erleben wir seit 2014 – wie sich aus sogenannten ‚Patrioten des europäischen Abendlandes’ – ein parlamentarischer Arm von selbsternannten ‚Alternativen für Deutschland’ formiert hat – die völlig hemmungslos vor laufenden Kameras zur ‚Jagd’ auf Demokraten aufruft.

 

Ich war sprachlos – dass dieser Satz bis heute völlig unkommentiert in Raum steht!

 

Es muss Allen – die genau hinhören! -  klar sein – dass das keine Demokraten sind – die da demokratisch gewählt wurden.

 

Das sind rassistische und völkische Extremisten – die sich als ‚Libertäre’ tarnen oder als ‚Alternative’ oder als ‚Werteunion’ – oder als ‚Identitäre’.

 

Jeder und Jedem – die oder der diesen völkischen Trommlern die Stimme gibt, muss klar sein, dass sie und er die Abschaffung der Demokratie wählt!

 

Und wie schnell so etwas gehen kann, sehen wir an den weltweiten Beispielen: wie selbsternannte Retter, die sich demokratisch wählen lassen haben, wie in Polen – demokratische Grundrechte und Freiheiten von Frauen und der diversen Community abgeschafft haben.

 

Dasselbe Vorgehen sehen wir in Ungarn, wie die Freiheit der Kunst, der Literatur und des kritischen Denkens eliminiert wurde.

 

Wie auch die Freiheit der Wahl überhaupt von Korea über die Türkei pervertiert wurde - bis hin zu den US-Republikanern - die aktuell sogar die Briefwahl abschaffen wollen in 4 Bundesstaaten: in Georgia, Pennsylvania, Iowa und Arizona!

 

Das sind nachweislich Gegner parlamentarischen Demokratien!

 

Rassisten, Sexisten, Frauenverachter, Nationalisten, werden nichts an der Armut ändern – im Gegenteil: ihr Ziel ist es – die Wahlberechtigung nur auf sogenannte ‚Leistungsträger’ zu begrenzen oder auf sogenannte nur ‚ethnisch’ Zugehörige!

 

Ihr Ziel ist die ‚homogene Gesellschaft’, die weder Andersartigkeit duldet noch Widerspruch oder Protest!

 

Wer heute die ‚homogene Gesellschaft’ wählt – lebt morgen in der geschlossenen Gesellschaft – einem gleichnamigen Theaterstück des Existenzialisten Jean Paul Sartre über die Hölle!

 

Für die völkisch autoritäre Gesinnung ist Armut keine Menschenrechtsverletzung – sondern ein Abfallprodukt ihres (längst überholten!) kapitalistischen Elitedenkens!

 

Aber nicht der Kapitalismus ist das Problem!

 

Sondern diejenigen – die es zu einem Kasino pervertiert haben - um mit der Arbeit von Millionen und den planetaren Ressourcen zu spekulieren!

 

Aber es bleibt dabei:

 

Armut ist eine der größten Menschenrechtsverletzungen, weil sie den Menschen keine Wahl lässt: sie nimmt ihnen ihr Grundrecht auf Freiheit - auf freie Entfaltung - an Teilhabe und Mitsprache!

 

Und die psychische Belastung durch Scham und Ausgrenzung macht krank und die Betroffenen sterben früher! Das ist erforscht und belegt!

 

Ich kann und will mir ein Deutschland ohne eine soziale Demokratie nicht vorstellen und will wirksam mithelfen, die soziale Balance wieder herzustellen.

 

Wir müssen die Beziehung zwischen den Schwächsten und den Stärksten zum Gemeinwohl aller, regional, national und international, neugestalten und gerecht synchronisieren, mit einer nachhaltigen, regulierten Wirtschaft und Respekt vor Mensch, Tier und Natur.

 

Damit die bevorstehende Transformation der modernen Gesellschaft in das digitale Wirtschaftssystem auch in der Zukunft offen, plural, sozial, divers und demokratisch bleibt!

 

Demokratie ist ein weltumspannender Erfolg der aufgeklärten Zivilisation.

 

Sie zu schützen – zu erhalten und sie weiter zu entwickeln – ist – für mich als Mutter, Künstlerin und überzeugte Kosmopolitin - eine universelle Verpflichtung!

 

 

 

 

***

 

 

 

 

Es sind diese 5 Sätze - die mein Denken prägen:

 

1. Ein Satz von meiner Mutter: Würdest du nur einen Tag in meinen Schuhen gehen - nur einen Tag mit meinen Augen sehen - du würdest verstehen! - Perspektivwechsel als Schlüssel des Verstehens und eines Miteinanders ohne Machtanspruch - was die Essenz des Respektsprinzips ist.

 

2. Nietzsches Satz:

 

Was ist dir das Menschlichste?

 

Jemandem Scham zu ersparen! - Ich bin überzeugt, dass unsere oberste Aufgabe sein muss - Demütigung zu vermeiden - im Privaten - wie in der Politik - sowie in allen Disziplinen in allen kulturellen Ebenen.

 

3. Die 'Goldene Regel' der Moral: Füge Niemandem zu, was du nicht willst, dass man es dir antu’! - Eine Grundregel aller bekannten Lehren und Religionen, die zeigt, wie ähnlich sie sich in ihren wesentlichen Zielen sind!

 

4. Kants 'Kategorischer Imperativ' - der die goldene Regel des Handelns ist: Handle stets so, dass dein Handeln als ein allgemeines Gesetz gelten könne! - Ein Handbuch zum ersten Artikel unserer Verfassung: Respektiere die Würde in jeder Handlung!

 

5. Aus dem Talmud: Komme mir so weit entgegen wie du kannst, den Rest des Weges gehe ich. - Dieser Satz beschreibt die Basis aller Dialektik: die Solidarität und Verantwortung - die Verschiedenheit und die Verwandtschaft - das Ich und Wir, im Du und Uns!

 

BRIEF EINER SCHAUSPIELERIN

 

Brief einer Schauspielerin

Oder

De profundis animae meae

(aus den Tiefen meiner Seele)

 

 

Ich möchte gern etwas beschreiben, das mir am 11.2. passiert ist. Nach über einem Jahr ohne Publikum und ohne den physischen Raum des Theaters, habe ich meine erste ‚gestreamte Lesung’ gemacht – für ‚Lesen ohne Atomstrom’ mit Texten von 3 AutorInnen mit Fluchterfahrung: Behrouz Boochani, Tima Kurdi und Parwana Amiri.

 

Auch wenn ich in den vergangenen 14 Monaten zu akzeptieren gelernt hatte, dass mein Beitrag für die Welt nicht nur nicht ‚systemrelevant’ war, sondern ‚systemüberflüssig’ – und dass mein Tun sogar tödlich sein könnte – wenn ich gespielt, gelesen oder unterrichtet hätte, so hätte ich nie erwartet – wie bodenlos verloren ich mich fühlen würde, wenn ich dieses ‚raumlose Schauspiel’ dennoch versuche.

 

Nach einem Jahr ohne direkten Menschen- und Publikumskontakt, wollte ich es selbst spüren, was diese neue ‚zweidimensionale Bühne’ mit mir macht.

 

Denn nichts von dem, was ich bis zu diesem Moment der eigenen Erfahrung gesehen hatte, hatte mich berührt, weder die ‚Zimmerkonzerte’ von MusikerInnen, noch die von Schauspielerinnen und Schauspielern extra einstudierten Texte für die Kamera ihres Smartphones.

 

Ich blieb außen vor! Oder das, was ich da sah und hörte tropfte an mir ab wie Regentropfen am Fenster. 

 

Aus Not wurde da etwas vermischt, was zwei völlig unterschiedliche Disziplinen sind. Die Intimität des filmischen Spielens hat eine ganz spezifische, verdichtete Bildsprache, die nicht zu vergleichen ist mit der Körperlichkeit eines Bühnespiels.

 

Im Film wird in Ausschnitten gedacht, auf der Bühne ist immer das ganze Bild sichtbar.

 

Wenn Franco Zeffirelli Julias Monolog nur von der Bühne abgefilmt hätte, hätte er nie selbe magische Wirkung von Wahrheit inszenieren können, wie er es mit seinen Großaufnehmen in seinem Film über ‚Romeo und Julia’ getan hat.

 

Jedenfalls war mir dieses, aus der Coronanot geborene 'raumlose Schauspiel' extrem suspekt gewesen. Alles in mir wehrte sich, ohne dass ich es hätte erklären können!

 

Aber seit dem 11.2.21 kann ich es, denn ich habe mich für desinfizierte 90 Minuten in diese virale Raumlosigkeit begeben, die in der Hamburger Akademie der Künste produziert wurde.

 

Trotz aller Widerstände hatte ich zugesagt, weil ich die Veranstalter schon lange kenne und weil 'Migration' mein Lebensthema ist und dachte: Wer weiß - wozu es gut sein wird?!

 

Also machte ich mich auf den Weg nach Hamburg, maskiert mit FFP2 Masken und den größtmöglichen Abständen, die ich in den Bahnhöfen, im Zug und im Hotel einhalten konnte.

 

Ich wurde abgeholt, von einer ebenfalls maskierten Frau mit grauen Haaren und in einem frisch desinfizierten Auto zur Veranstaltung gefahren, machte einen Schnelltest mit einer Ärztin vor Ort, und wartete in gebührendem Abstand von den anderen Vorlesenden, bis ich an der Reihe war und mich an den frisch desinfizierten Tisch setzen konnte.

 

Ich wurde zu dem kleinen Podest vor der schwarz abgehängten Bilderwand gebeten.

 

Vor mir stand ein großer Bildschirm mit 3 sehr unterschiedlichen Gesichtern, die sich noch bildgerecht vorbereiteten. Zwei Frauen und ein Mann, deren drei Lebensgeschichten so weh tun, dass ich sie am liebsten umarmt hätte.

 

Aber uns trennten Tausende Kilometer voneinander. Also las ich in die Kameras bis nach Kanada, Griechenland und Neuseeland – für ihre Bildschirme mit meinem Gesicht.

 

Es gäbe auch Zuschauer, wurde mir versichert, nur waren auch sie unsichtbar - irgendwo draußen - vor ihren eigenen Bildschirmen - weil wir wegen der Seuchengefahr nicht in demselben Raum sein durften.

 

In dem Theatergroßen Saal, in dem ich noch vor einiger Zeit inmitten einer randvollen PEN -Tagung gesessen war, werkelten nun gerade mal ein Dutzend vermummte OrganisatorInnen und TechnikerInnen herum, die jedoch nicht unbedingt an den Texten interessiert waren, sondern sich um den komplizierten technischen Ablauf kümmern mussten.

 

Vor mir lagen die ausgedruckten Auszüge aus den drei Erzählungen, drei hochemotionale Schilderungen vom Sterben und Überleben auf der Flucht - vom Ertrinken bei einem Fluchtversuch und von der unbeschreiblich würdelosen Existenz in Flüchtlingslagern. 

 

Sie waren derart erschütternd, dass ich den 'Alan Kurdi Text' sogar zweimal in Tränen aufgelöst unterbrechen musste, während ich mich im selben Moment absurderweise zusätzlich noch schämte, weil ich mich nicht 'professionell' beherrschen konnte.

 

Und als wär’ das nicht schon irre genug, fühlte ich mich im selben Moment so unbeschreiblich verloren wie ein Versuchstier. Alles, was ich da tat, schien mir so völlig ohne Sinn und fremd gesteuert wie ein Roboter, dessen Algorithmen bei solch tragischen Emotionen eben auf Weinen umschalten.

 

Aber ich - die Menschin Renan - weinte aus echter Betroffenheit und aus Mitgefühl und weil ich wütend war und hilflos, dass ich als denkendes Wesen mit Bewusstsein, so ohnmächtig bin gegenüber der globalen politischen Ignoranz bei den weltweiten Flüchtlingstrecks!

 

Denn, das was ich da vorgelesen hatte, war zu einer gemeinsamen Trauer mit den Schreibenden geworden.

 

Ich hatte ihre Texte ja vorbereitet - inhaltlich durchdrungen - sprachlich in mir sortiert - dramaturgisch eingeteilt - den Atem und den Rhythmus nachempfunden - um ihn für Andere nachvollziehbar werden zu lassen.

 

Etwas richtig gut zu lesen, ist für mich als Schauspielerin eine der Königsdisziplinen meines Berufs – auf das ich mich immer sehr gründlich vorbereite.

 

Doch ich saß da, als hätte mich die Pandemie zur Höchststrafe verurteilt und mich eingesperrt in meinen eigenen Schädel - ohne ein Gegenüber - ohne das physische Weiß im Auge eines anderen Menschen - der und die mitfühlt - mitwütend ist und dieses beschriebene und gelesene Elend gemeinsam ändern will. Mein Tun war so absurd wie sinnlos!

 

Am liebsten hätte ich die Veranstaltung abgebrochen, aber ich fühlte mich verantwortlich für alle Beteiligten, die sich der maskierten Sprachlosigkeit mit allen Mitteln zu wehren versuchten.

 

Seit Monaten stecken wir Künstlerinnen und Künstler – steckte die ganze Welt - in einem unlösbaren Paradoxon: Nähe zu schaffen - ohne zu berühren - Abstand halten, ohne auf Distanz zu gehen!!

 

Ich weiß nicht warum mir 'De Profundis' einfiel - der zu Weltliteratur gewordene ‚Schrei nach Leben und Berührung’ von Oscar Wilde. Geschrieben im Kerker vom Londoner Tower.

 

Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass weder das Theater noch die Literatur je wieder ein Schutzraum für mich sein würden, in dem ich mein Leben lang nach Menschlichkeit gesucht hatte.

 

Plötzlich war ich zur Seite getreten und beobachtete das Geschehen aus der Vogelperspektive, wie ich selbst mit jeder Zeile, die ich las – selbst zu einer virtuellen Zelle wurde - aus dem heraus Gefühle und Sinn nur simuliert wurden.

 

Niemand atmete im selben Takt wie ich! Keiner spürte mit mir, der Lesenden, die Fassungslosigkeit über das Ertrinken eines 17 Monate alten Jungen, nur weil sich seine Eltern für ihn eine Zukunft in Frieden und Freiheit gewünscht hatten. Niemand erschrak mit mir bei der Textstelle, dass eine Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern in einem kaputten Schlauchboot untergegangen ist - nur 4 Kilometer entfernt von der Rettung auf der griechischen Insel Kos.

 

Im gleichen Atemzug fiel mir Brechts Selbstermächtigungs-Parabel ein über 'die Unart - erlittenes Unrecht in sich hineinzufressen': Wenn Niemand davon hört - existiert auch kein Leid!

 

Und noch, während ich eine weitere Entschuldigung für meine Unterbrechung stammelte, dachte ich: diese drei AutorInnen hatten es nicht in sich reingefressen - sie hatten darüber geschrieben und ich fühlte mich verpflichtet - ihre Geschichte weiter zu erzählen.

 

Aber wie konnte ich dem überhaupt gerecht werden – wenn mir mein Tun amputiert ist?

 

Als Schauspielerin brauche ich den physischen Raum mit realen Zuschauerinnen und Zuschauern!

 

Die Neurowissenschaften haben es belegt – die Verhaltensforschung bewiesen:

 

Nachhaltige Gefühle entstehen nur bei analoger Begegnung!

 

Also wer bin ich? Und was tue ich hier?

 

Noch während ich las, begann ich mich und mein Tun zu hinterfragen und erinnerte mich parallel an den wunderbaren Charles Regnier - der mit über 80 Jahren - ein ganzes Jahr darauf gewartet hatte - um mit mir 'Irgendwann im Leben' von Israel Horovitz zu spielen.

 

Ich war damals halb so alt wie er und noch so unbedarft, dass ich mich noch heute für meine dumme Frage schäme. Er dagegen war so höflich, mich nicht zu ignorieren

 

Ich fragte ihn, warum er sich denn diese Tortur überhaupt noch antue? Denn es war ein zwei Personen Stück und wir hatten beide sehr viel Text und nur 3 Wochen Probezeit.

 

Charles Regnier aber antwortete in einer Wahrheit und Klarheit, die mir erst durch dieses Erlebnis in Hamburg in seiner ganzen Dimension bewusst geworden ist.

 

Er sagte: ‚Ich bin doch Schauspieler – und ein Schauspieler muss spielen! Wenn ich nicht spiele - bin ich auch kein Schauspieler. ’

 

Wer also war ich gerade?

 

All diese Gedanken waberten während der laborhaften 90 Minuten in mir herum und ich fühlte mich mehr und mehr überflüssig: als Künstlerin - als Frau und als Mensch! Und hätte am liebsten direkt einen neuen Beruf gelernt!

 

Und obwohl ich, trotz meiner grottenschlechten Leistung, wirklich ein Paar rührende Reaktionen von den BildschirmzuschauerInnen bekommen habe, war dieses ‚körperlose Lesen’ eines der frustrierendsten Erfahrungen meines beruflichen Lebens!

 

Zum ersten Mal in meinen 40 Berufsjahren beginne ich zu verstehen, warum ich tun muss, was ich tue:

 

Für mich als Schauspielerin und Autorin ergibt mein Tun erst einen Sinn, wenn sich meine Intention in ein Gegenüber einpflanzt, das heißt, wenn ich in der Lage war - ein gemeinsames Denken und Fühlen zu befruchten!

 

Erst dann spüre ich Erfüllung - bekomme ich mit meiner Kunst einen Ort in der Welt und eine Bedeutung - die von der isoliert subjektiven Betrachtung zu einem gemeinschaftlichen Erlebnis wird - und dann - im besten Fall - in eine allgemein gültige Aussage oder einen gemeinsamen Widerstand mündet!!

 

Unser Rohstoff - aus dem wir Künstlerinnen und Künstler schöpfen - der uns antreibt und uns Sinn gibt - sind unsere Emotionen! Es sind die Gefühle und Gedanken - Ahnungen und Befindlichkeiten - ist unsere Intuition.

 

Und Emotionen brauchen einen physischen Echoraum.

 

 Für den schöpferischen Menschen ist der Akt der Transformation der Innenwelt in einen sichtbaren Ausdruck - ein existenzieller - sinnstiftender und identitätsformender Prozess - der sich – durch das Tun selbst - nach Erfüllung oder oft auch nach Erlösung sehnt.

 

Wir sind das - was wir tun!

 

Was so geschwollen klingt, ist in der Praxis fast banal: Künstlerinnen und Künstler wollen gesehen - gehört - gelesen und gefühlt werden:

 

SchauspielerInnen spielen für sich UND immer zugleich auch für ihre ZuschauerInnen

 

MalerInnen malen für sich UND immer zugleich auch für ihre BetrachterInnen 

 

KomponistInnen komponieren für sich UND immer auch für ihre ZuhörerInnen

 

TänzerInnen tanzen für sich UND für natürlich auch ihre ZuschauerInnen

 

MusikerInnen machen Musik für sich UND selbstverständlich auch für ihre Zuhörerschaft

 

Schöpferische Menschen brauchen das Weiß im Auge des Anderen und ihre Inhalte und Emotionen brauchen einen physischen Raum!

 

Wahrscheinlich hätte ich das ohne diese ‚Streaming-Erfahrung’ nicht so heftig zu spüren bekommen - aber jetzt weiß ich umso präziser:

 

Die Gleichzeitigkeit von Bild und Ton - die beim Streamen eine physische Gegenüberschaft simuliert - ist eben keine wirkliche Begegnung von Mensch zu Mensch!

 

 Das geht nur in Echtzeit und in der wirklichen Wirklichkeit.

 

Keine App und keine Live-Schaltung kann ein körperliches Theatererlebnis wiedergeben und auch kein Opernerlebnis oder einen Ballettabend ersetzen. Und sie wird auch nie ein Äquivalent sein für diese unbeschreibbare Sogkraft der Musik in einem Konzertsaal!

 

‚Alles hat seine Zeit’, heißt es bei Salomon und bei Goethe: Wozu war das Ganze also gut?

 

Es hat mich selbst überrascht, aber es hat mir geholfen zu verstehen, warum ich nur in der Literaturwelt leben will:

 

Sie ist nicht nur ein Schutz- und Freiheitsraum für mich. Sie ist der Ort, in dem alles Menschliche erfahrbar wird – auch das Unerwartete. 

 

Und es macht mich fast irre, wenn ich wieder mal zu einem ‚Online Gespräch’ mit ‚Kulturschaffenden’ eingeladen werde, wie gerade von der FES – dessen wohlwollender Einladungstext allerdings austauschbar ist mit all den anderen – die ich in den letzten Monaten bekommen habe. Alle haben den verwesenden Beigeschmack des Almosenhaften an sich.

 

Kultur kann Gemeinsamkeiten sichtbar machen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt dauerhaft stärken. Auch jenseits der aktuellen Pandemie müssen Fragen gestellt werden: Wo und wie eröffnen sich für die künstlerische und kulturelle Arbeit neue Handlungsperspektiven? Wie werden angesichts sozialer und kultureller Brüche gesellschaftliche Grundversprechen eingelöst? Und wie steht es um das Verhältnis von Kultur und Politik? (Zitat aus der Einladung zu der Online Tagung „Kultur als Motor für gesellschaftlichen Fortschritt?!“)

 

Mittlerweile komme ich mir vor wie 'Der Schrei' von Edward Munch: Jeder sieht - dass da was nicht stimmt - nur hören will es Niemand!

 

Es diese Ignoranz - unter der wir Künstlerinnen und Künstler - wir die 'Kulturschaffenden' - leiden!

 

Dass wir nicht dazugehören zu der rechtsstaatlichen Hefe - sondern noch immer - je nach Bedarf - als ein 'Amuse-Bouche' weitergereicht werden!

 

Es gibt keine einzige Institution oder Partei in unserer Republik – die die Kunst gleichrangig in einer Reihe sehen würde – wie die anderen drei Elemente der Gewaltenteilung.

 

Dieses ‚Häppchendenken’ ist schuld an unserer Misere! Dass wir als Erste weggeschlossen wurden und auch Letzte wieder wahrgenommen werden.

 

Weil Kultur als ein 'dekoratives Extra' zum gesellschaftlichen Kanon verstanden wird - und nicht - als das was es ist:

 

Kultur ist das interaktive Wurzelwerk einer Gesellschaft - der unsichtbare Teil des Menschseins - das die Verschiedenheiten und Ähnlichkeiten - das Fremde und Bekannte – und unsere Geschichte, Gegenwart und Zukunft zusammenhält!

 

Physikalisch betrachtet ist die Kultur das Gottesteilchen unserer Existenz und des Zusammenlebens. Sie ist der schöpferische Kitt, der die Menschheit zusammenhält und immerwährend fortsetzt. Und wie die ‚Würde’ als eine Ewigkeitsformel der Conditio Humana im Grundgesetz geschützt werden muss.

 

Die Politik ist lediglich ein Teil dieses Wurzelwerkes - wie Unternehmen - Banken - SchauspielerInnen - AutorInnen - VerkäuferInnen - AltenpflegerInnen - KünstlerInnen - usw.

 

Dabei 'kann' die Kunst nicht nur politische und soziale Schieflagen darstellen - sie ist die Petrischale - in der die Konflikte auf ihre DNA untersucht werden.

 

Kunst ist das empathische Labor der Kultur!! In dem sowohl konkrete Vorgänge als auch Emotionen verdichtet oder auch zerlegt werden - in dem die Toxizität von Unmenschlichkeit und die Sehnsucht nach Würde und Respekt, nach Liebe und Gerechtigkeit offengelegt werden.

 

Die Kunst ist ein integrales Element der kulturellen Interaktion - wie auch die Politik - allerdings mit anderen Aufgaben als diese.

 

Unser Job ist es - dort hinzugehen - wo noch Niemand war - das zu hören - was nicht gehört werden soll und das zu sehen - was versteckt wird!

 

 Kunst ist die vierte Säule der Gewaltenteilung in einer rechtsstaatlichen Demokratie:

 

Neben der Legislative - Judikativen und Exekutiven - die das organisatorische Prinzip der Gemeinschaft erklären und bestimmen - ist die Kunst wie auch die Wissenschaft - zuständig für Edukation, für Bildung und Erziehung, für das transzendente 'Warum?' der menschlichen Bedingtheit: unserer gegenseitigen Abhängigkeit in dem vielschichtigen Wurzelwerk aus Rechten und Pflichten - aus Wollen, Sollen und Müssen - aus Macht  und Ohnmacht - aus Haben und Geben – aus Schein und Sein und noch vielem mehr - was dem menschlichen Geist und ihrer Seelenwelt verborgen innewohnt.

 

So dass diese Frage aus der Einladung sich selbst auflöst:

 

 'Und wie steht es um das Verhältnis von Kultur und Politik?' 

 

Kultur betrifft Alle!

 

Aber Politik - Kunst - Wissenschaft – Sport und Wirtschaft nur einzelne Gruppen.

 

Deswegen MÜSSEN Künstlerinnen und Künstler aller Sparten in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden! Ihr Tun ist dem Wesen nach von derselben Relevanz wie all die anderen Gewerke.

 

Für mich als Künstlerin wurde es im letzten Jahr besonders schmerzhaft deutlich, wie wenig

ich mit meinem Können in einer lebensbedrohenden Situation ausrichten kann. Und dass ich

sogar anderen schaden könnte, wenn ich meine Berufe ausübe. Also habe ich traurig

akzeptiert, dass ich nicht mehr auf die Bühne durfte, weder Lesungen machen noch

Unterrichte geben konnte. Ich war dazu verdammt hilflos zuzuschauen, wie ich nur mit

meinem solidarischen Verhalten die Situation stabilisieren kann.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass wir alle unterschiedliche Aufgaben haben auf der Welt,

dass unsere Talente zu unterschiedlichen Zeiten gebraucht werden!

 

Jetzt ist die Politik dran, uns aus der Pandemie zu navigieren.

 

Und die Wirtschaft hat sie zu flankieren, soweit sie dem Gemeinwohl nicht schadet.

 

Die Exekutive kontrolliert die Maßnahmen.

 

Die Wissenschaft gibt die Direktiven.

 

Und die Forschung sucht nach geeigneter Medizin.

 

Irgendwann darf die Kunst sich wieder beteiligen am geistigen und seelischen Gemeinwohl.

 

Ich habe akzeptiert, dass 2020 nicht das Jahr der Künstlerinnen und Künstler war – auch nicht der Musikerinnen und Musiker – der Schreiberinnen und Schreiber – der Malerinnen und Maler und

von noch Vielen – die in der Kreativwirtschaft ihr Geld verdienen.

 

Wir alle haben riesige finanzielle und auch emotionale Einbrüche. Tausende sind auf die

Jobcenter angewiesen – aber ich habe Niemanden erlebt – der oder die deshalb das Parlament

gestürmt oder zu Hetze aufgerufen hätte!Wir wissen, dass wir keine Leben retten können. Jeder

und Jedem ist klar, dass wir im besten

Fall die Leben unserer Zuschauerinnen und Zuschauer nur etwas verschönern können – etwas

erleichtern und hoffentlich auch bereichern. Wir möchten aufheitern und zum Nachdenken

und Weiterdenken anregen und mit unserem Können und Tun die Menschen berühren. Denn

unser Tun besteht aus Emotionen, die in den unterschiedlichsten Handwerken zu einem

Ausdruck werden.

Das ist kein Hobby und wir sind keine Freizeitfüller!

Wir haben unser Handwerk erlernt – haben studiert – jahrelang geübt und lernen täglich

weiter und leben für unser Tun! Dieses Tun ist unser Beruf und unsere Berufung – 24 Stunden

– 7 Tage die Woche – ein Leben lang.

Aber ich verlange, dass 2020 das letzte Jahr sein muss, in dem wir wie Tagelöhner behandelt wurden!

 

Nur damit kein Missverständnis entsteht, wir wollen nicht gegen die Bedeutung der anderen gesellschaftlichen Gruppen abgewogen werden – ob und wer und wie weit wir ‚systemrelevant’ sind oder nicht! Wir sind es!

Es gab eine Menge Petitionen und offene Briefe an die Regierenden – ich selbst habe einen

geschrieben, dass sich an der herrschenden Sichtweise dringend etwas ändern muss! Und so hoffen wir, hoffe auch ich inständigst, dass eine neue Generation von Politikerinnen und Politikern, die ‚Kunst’ endlich als ein unentbehrliches Grundrecht in das Grundgesetz aufnimmt! Und uns Kunstarbeiterinnen und Kunstarbeitern die Würde und Wichtigkeit unseres Schaffens nicht nur attestiert und respektiert, sondern legitimiert und unser besonderes Arbeitsumfeld und Arbeitsweise steuerrechtlich allen Soloselbstständigen gleichstellt!

 

Ich bin Schauspielerin geworden und geblieben, um Geschichten von Menschen zu erzählen, mit Menschen und für Menschen. 

 

Und ich hoffe, dass ich das bald wieder tun darf.

 

 

 

Renan Demirkan im März 2021

 

 

 

RENAN DEMIRKAN IST IN DIE SPD EINGETRETEN

 

 

 

KölnSPD 

 

Christiane Jäger und Marcus Cormann freuen sich

 

 

 

Prominente Stimme gegen Rassismus und für die Demokratie in und mit der SPD dazu gewonnen.

 

Renan Demirkan ist in die SPD eingetreten.

 

 

 

Kölns SPD Vorsitzende Christiane Jäger und Marcus Cormann , Vorsitzender des OV Köln Mitte, freuen sich Renan Demirkan als neues Mitglied in der KölnSPD begrüßen zu können.

 

„Herzlich Willkommen in der KölnSPD“. Beide sprachen mit Renan über ihre Motive der SPD beizutreten: 

 

 

Renan Demirkan: Ich habe ‚JA’ gesagt und bin in die SPD eingetreten. 

 

 

Warum ich eingetreten bin? 

 

 

Für mich ist die 'soziale Demokratie' mehr als eine politische Philosophie. Sie ist vor allem eine Lebensform, die von Millionen weltweit ersehnt wird, allerdings nur in wenigen Orten so realisiert werden konnte, wie es glücklicherweise bei uns möglich war: Durch einen Rechtsstaat, der per Verfassung ein selbst bestimmtes Leben der Bürgerinnen und Bürger garantiert, mit geschützten Freiheiten, Rechten und Pflichten, offen - plural - multikulturell und divers. Damit dies in Frieden und Empathie geschehen kann, hat sich unsere Demokratie noch zusätzlich per Gesetz für eine soziale Balance verpflichtet. Denn die Verfassungsmütter und -väter hatten es selbst erlebt, dass und wie Ungleichheit und Armut durch rassistische Propaganda instrumentalisiert wurde, um in der Folge jegliche geistige und kulturelle Verschiedenheit und Vielfalt zu dämonisieren, zu kriminalisieren, und sie schließlich millionenfach zu töten! Der heutige Rassismus, der als 'Rechtsruck' verharmlost wird, ist noch immer ein Synonym für mangelnde Perspektiven und mangelnde Teilhabe! Und je nach Region, reagieren Menschen sehr unterschiedlich: Wenn die Perspektiven völlig aussichtslos sind, nehmen die Verzweifelten jede nur erdenkliche Strapaze für ein besseres Leben in Kauf und ziehen weiter. Dagegen entsteht in wohlhabenden Gesellschaften Widerstand. Wenn der deregulierte Wirtschaftsliberalismus die Teilhabe nur auf ‚Kaufen und Konsumieren’ reduziert, und Bildung, Ausbildung, gerechte Löhne, zu einem Privileg für einige Wenige zusammengeschrumpft ist, beschämt das die Betroffenen, macht sie mürbe, traurig, depressiv und empfänglich für völkische Demagogen, die die sozialen Probleme mit 'Sündenbocktheorien' ethnisieren!

 

 

Armut ist für mich eine der größten Menschenrechtsverletzungen, weil sie den Menschen keine Wahl lässt: sie nimmt ihnen ihr Grundrecht auf Freiheit - auf freie Entfaltung - an Teilhabe und Mitsprache! Und die psychische Belastung durch Scham und Ausgrenzung macht krank und die Betroffenen sterben früher!

 

 

Warum jetzt? 

 

 

Weil die völkischen Trommler bei 11% sind - und die SPD bei 14%! Und weil ich mir ein Deutschland ohne eine soziale Demokratie weder vorstellen will noch kann! Ich will wirksam mithelfen, die soziale Balance wieder herzustellen. Denn ich bin überzeugt, dass wir die Demokratie neu denken müssen. Wir müssen die Beziehung zwischen den Schwächsten und den Stärksten zum Gemeinwohl aller, regional, national und international, neu gestalten und gerecht synchronisieren, mit einer nachhaltigen, regulierten Wirtschaft und Respekt vor Mensch, Natur und Tier.

 

 

Warum SPD? 

 

 

Weil die bevorstehende Transformation der modernen Gesellschaft vor allem sozial und demokratisch bleiben muss! Und international kommuniziert werden muss. Und weil der Aufbau nach Corona nicht nach Privilegien einiger Weniger ausgerichtet werden darf, sondern nach dem Recht aller auf Würde, Partizipation und Respekt gedacht werden muss. Weil es das menschlichste ist - den Menschen Scham zu ersparen! Und weil all das schon im Gründungsprogramm der SPD steht. 

 

 

Es sind diese 5 Sätze - die mein Denken prägen:

 

 

1. Ein Satz von meiner Mutter:

 

Würdest du nur einen Tag in meinen Schuhen gehen - nur einen Tag mit meinen Augen sehen - du würdest verstehen! - Perspektivwechsel als Schlüssel des Verstehens und eines Miteinanders ohne Machtanspruch - was die Essenz des Respektsprinzips ist.

 

 

2. Nietzsches Satz:

 

Was ist dir das Menschlichste? Jemandem Scham zu ersparen! - Ich bin überzeugt, dass unsere oberste Aufgabe sein muss - Demütigung zu vermeiden - im Privaten - wie in der Politik - sowie in allen Disziplinen in allen kulturellen Ebenen.

 

 

3. Die 'Goldene Regel' der Moral:

 

Füge Niemandem zu, was du nicht willst, dass man es dir antut! - Eine Grundregel aller bekannten Lehren und Religionen, die zeigt, wie ähnlich sie sich in ihren wesentlichen Zielen sind!

 

 

4. Kants 'Kategorischer Imperativ' - der die goldene Regel des Handelns ist:

 

Handle stets so, dass dein Handeln als ein allgemeines Gesetz gelten könne! - Ein Handbuch zum ersten Artikel unserer Verfassung: Respektiere die Würde in jeder Handlung! 

 

 

5. Aus dem Talmud:

 

Komme mir so weit entgegen wie du kannst, den Rest des Weges gehe ich. - Dieser Satz beschreibt die Basis aller Dialektik: die Solidarität und Verantwortung - die Verschiedenheit und die Verwandtschaft - das Ich und Wir, im Du und Uns!

 

 

 

 

 

Überlegungen für 2021 und die Zeit nach Corona

 

 

Liebe Interessierte – schön – dass Sie und Ihr bei uns reinschauen!

 

Das hätten wir vor nun fast 5 Jahren nicht für möglich gehalten, dass die Idee von checkpoint:demokratie so wichtig werden würde!

 

Jedoch hat das verstörende, Angst machende, pandemische Jahr 2020 gezeigt, wie aufmerksam und wachsam und wehrhaft alle Demokratien sein müssen, dass Hetzer in Krisen die vielfältigen, gesellschaftlichen Gruppierungen nicht gegeneinander ausspielen!

 

Und gleichzeitig wurde es so deutlich wie kaum zuvor in der Nachkriegsgeschichte, wie stark die Demokratien sein können und dass Solidarität weltweit möglich ist!

 

Zu allererst möchte ich Danke!! sagen!

 

Danke an all meine Helden und Heldinnen in diesem unvergesslichen, berührungsarmen, vergangenen Jahr:

 

Stellvertretend für alle – möchte ich die Krankenschwestern und Krankenpflegern nennen – die Alten- und Kinderbetreuerinnen und – Betreuer. All die Lehrerinnen und Lehrer – die Verkäuferinnen und Verkäufer – die Virologinnen und Virologen - die Ärztinnen und Ärzte - die Krankenwagen Fahrerinnen und Fahrer. Die Liste ist endlos, denn ich bin wirklich sehr sehr dankbar dafür, dass durch ihr Mittun und Zutun unsere Gesellschaft in jedem Augenblick ihre Menschlichkeit – Solidarität und Verantwortung bewiesen hat!

 

Sie alle sind mutige – fleißige und mitfühlende MitdenkerInnen – NeudenkerInnen und VordenkerInnen.

 

Und sie sind die Mehrheit in diesem wunderbaren 80 Millionen Land!

 

Ich bin dankbar, dass es sich wieder mal bewiesen hat, dass die Demokratie auf einem tief humanen und sozialen Gewissen und Wissen fußt. Und dass sie sich stets bemüht um den richtigen Weg und die beste Lösung, dass sie bereit ist, ständig dazu zu lernen und sich neu aufzustellen.

 

Wir haben es gesehen, dass es in einem kleineren Land wie Neuseeland mit einer großartigen politischen Verantwortlichen vielleicht etwas zeitsparender möglich ist – als in einem riesigen, föderalen System wie dem unseren, dessen politische Führung sich jedoch genauso zuverlässig – transparent – verantwortungsvoll – empathisch und solidarisch verhalten hat.

 

So furchtbar diese weltweite Seuche für Hunderttausende war und leider noch lange sein wird und so sehr sie mir auch weiterhin Angst macht – so deutlich hat sie aber auch gezeigt, dass wir über alle Grenzen hinweg, einsichtig zusammenhalten und verzichten können - wo es und wenn es nötig ist.

 

2020 hat mich in meiner tiefen Überzeugung bestärkt, dass wir weltweit solidarisch sein können und  dass die überwiegende Mehrheit auf dem Planeten Mitmenschlichkeit – Fürsorge und Respekt praktizieren kann! – die elementaren Bausteine einer demokratischen und sozialen Lebens- und Staatsform in Frieden und Freiheit.

 

Deshalb möchte ich Sie Alle – liebe Interessierte – Freundinnen und Freunde der Demokratie bitten und auffordern:

 

Lassen Sie uns gemeinsam die beste aller Lebensformen schützen vor so genanten Alternativen und Rettern und Großmachern – vor den Hetzern – den Rassisten – Nationalisten und Corona- und Holocaustleugnern!

 

Vor uns steht ein wichtiges Wahljahr. Lasst uns gemeinsam dafür sorgen, dass der parlamentarische Arm der deutschen Faschisten aus dem Bundestag verschwindet! Sie sind keine ‚Alternativen’, es sind die alten Braunen in blau getüncht!

 

Lassen wir es gemeinsam nicht zu, dass sie unsere vielschichtige – vielfältige – hoch differenzierte und wunderbar diverse – multikulturelle und rechtsstaatliche Gemeinschaft noch weiter spalten!

 

Für mich als Künstlerin wurde es im letzten Jahr besonders schmerzhaft deutlich, wie wenig ich mit meinem Können in einer lebensbedrohenden Situation ausrichten kann. Und dass ich sogar anderen schaden könnte, wenn ich meine Berufe ausübe. Also habe ich traurig akzeptiert, dass ich nicht mehr auf die Bühne durfte, weder Lesungen machen noch Unterrichte geben konnte. Ich war dazu verdammt hilflos zuzuschauen, wie ich nur mit meinem solidarischen Verhalten die Situation stabilisieren kann.

 

Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass wir alle unterschiedliche Aufgaben haben auf der Welt, dass unsere Talente zu unterschiedlichen Zeiten gebraucht werden!

 

Und 2020 war nicht das Jahr der Künstlerinnen und Künstler – der Musikerinnen und Musiker – der Schreiberinnen und Schreiber – der Malerinnen und Maler und von noch Vielen – die in der Kreativwirtschaft ihr Geld verdienen.

 

Wir alle haben riesige finanzielle und auch emotionale Einbrüche. Tausende sind auf die Jobcenter angewiesen – aber ich habe Niemanden erlebt – der oder die deshalb das Parlament gestürmt oder zu Hetze aufgerufen hätte!

 

Wir wissen, dass wir keine Leben retten können. Jeder und Jedem ist klar, dass wir im besten Fall die Leben unserer Zuschauerinnen und Zuschauer nur etwas verschönern können – etwas erleichtern und hoffentlich auch bereichern. Wir möchten aufheitern und zum Nachdenken und Weiterdenken anregen und mit unserem Können und Tun die Menschen berühren. Denn unser Tun besteht aus Emotionen, die in den unterschiedlichsten Handwerken zu einem Ausdruck werden.

 

Das ist kein Hobby und wir sind keine Freizeitfüller!

 

Wir haben unser Handwerk erlernt – haben studiert – jahrelang geübt und lernen täglich weiter und leben für unser Tun! Dieses Tun ist unser Beruf und unsere Berufung – 24 Stunden – 7 Tage die Woche – das ganze Jahr hindurch.

 

2020 muss das letzte Jahr sein, dass wir wie Tagelöhner behandelt wurden!

 

Wir wollen nicht gegen die Bedeutung der anderen gesellschaftlichen Gruppen abgewogen werden – ob und wer und wie weit wir ‚systemrelevant’ sind oder nicht!

 

Wir Kultur Schaffenden arbeiten an dem ständig wachsenden Archiv der Menschheitsgeschichte, die den zukünftigen Generationen von unserer Kontinuität erzählt  und sie erhält!

 

Es gab eine Menge Petitionen und offene Briefe an die Regierenden – ich selbst habe einen geschrieben, dass sich an dieser Sichtweise dringend etwas ändern muss! Und so hoffen wir, hoffe auch ich inständigst, dass die neue Regierung die ‚Kultur’ endlich als ein unentbehrliches Grundrecht in das Grundgesetz aufnehmen wird! Und uns Kulturschaffenden die Würde und Wichtigkeit unseres Schaffens nicht nur attestiert und respektiert sondern legitimiert und ihr besonderes Arbeitsumfeld und Arbeitsweise steuerrechtlich allen Soloselbstständigen gleichstellt!

 

Leider verstehen die meisten nicht, dass ein kulturelles und politische Bewusstsein dem Wesen nach siamesische Zwillinge sind – untrennbar miteinander verbunden – aber während der Pandemie wurde es unübersehbar – wie sie von der Politik als Mittel zum Zweck missbraucht wird - entweder zur Agitation oder zur Präsentation.

 

Noch immer trennt das gemeinschaftliche Bewusstsein die Kultur von allen Lebensbereichen – ohne den Kreislauf der Kultur zu erkennen, aus dem heraus sich politisches Handeln organisiert!

 

Kultur ist ein immer währendes Prinzip - solange es gestaltende Menschen gibt: sie ist Archiv - Utopie und Navigation!

 

Kultur ist per Definition die DNA des gesellschaftlichen Gemeinwesens - dessen neuer Mitbewohner nun auch ein massenhaft tödlicher Virus ist - als Ergebnis unseres unkultivierten - missbräuchlichen Umgangs mit unserer Kultur - mit uns selbst und unserer Umwelt.

 

Auch wenn wir die Schöpfung als ‚göttliche Ewigkeitsformel’ belächeln - physikalisch betrachtet ist die Kultur das Gottesteilchen unserer Existenz und des Zusammenlebens. Sie ist der schöpferische Kitt, der die Menschheit zusammenhält und immer während fortsetzt.

 

Deswegen bin ich überzeugt - dass 'Kultur' - wie die 'Würde' ins Grundgesetz gehört - als etwas Unantastbares der Conditio Humana!

 

Ja – es wird eine neue Regierung geben und das ist auch gut so! Dennoch ist die einmalige Merkel Ära bereits jetzt in unserem kulturellen Gedächtnis – mit nur drei Worten: Wir schaffen das! Und diese drei Worte sollten uns Mahnung und Aufgabe sein, die zukünftigen sozialen Aufgaben ohne Scheu vor der Größe der Aufgabe anzugehen: Wir brauchen eine neue Sozialordnung mit einem Bürgergeld und einer Bürgerversicherung!

 

Wir brauchen ein neues Steuersystem für Vielverdiener mit einem gesonderten Solidaritätszuschlag

 

Wir brauchen ein neues Bildungssystem mit neuen Inhalten und erweiterten Angeboten in den Bereichen Demokratie - Ethik – Philosophie – Kunst – Medien – Verantwortung und Empathie.

 

Lasst uns NeudenkerInnen –DurchdenkerInnen – NachdenkerInnen werden

 

Denn so genannte Querdenker lesen nur quer und verstehen deshalb auch nur die Hälfte!

 

Vor allem müssen wir zu  VORdenkerinnen und -denkern  einer transplanetarischen, nachhaltigen Ordnung werden – die die Schwachen nicht instrumentalisiert und für den Erhalt ihrer Interessen missbraucht - wie es die versammelte Rechte von Trump – Erdogan – Bolsonaro – Orban usw. tun.

 

Die Demokratien der Moderne brauchen einen neuen Solidarpakt zwischen den sozialen Schichten und die Solidarität der Besitzenden und Vermögenden mit denen – die durch die Moderne isoliert sind.

 

Nicht der Kapitalismus ist das Problem – sondern die Kapitalisten.

 

Nicht der Besitz ist ein Problem – sondern die Besitzenden.

 

Beides können wir politisch regeln und deren Akteure konkret zu Solidarität mit den Schwachen verpflichten – wie es bereits im Grundgesetz verlangt wird:

 

Artikel 14 Abs. 2 Grundgesetz: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen…“

 

Wir können das schaffen – wenn wir es wollen!

 

Lasst uns reden – was jede und jeder Einzelne dafür tun sollte und muss!

 

Demokratie ist eine Aufgabe und ein Auftrag für jeden Einzelnen – sie mit zu gestalten und sie vor Missbrauch zu schützen. Denn sie ist nur in dem Masse wehrhaft, wie jeder Einzelne sich für das Gemeinsame verantwortlich fühlt!

 

Ich freue mich auf Eure Ideen!

 

Passt gut auf Euch auf!

 

Herzlichst – Renan Demirkan – im Januar 2021

Gründerin und Vorstand checkpoint:demokratie e.V.

 

 




Wir trauern um Thomas Oppermann und werden sein genaues Zuhören, seine intelligenten und ruhigen Vorschläge und sein großes sozialdemokratisches Herz vermissen!

 

Danke für Ihre Schirmherrschaft unserer Buchpräsentation im Deutschen Bundestag am 13. Mai 2019.

 

Der Vorstand von Checkpoint: Demokratie e.V. am 26.10.2020

 

 

 

"Ich empfinde das als aktive Sterbehilfe"

Ein offener Brief von Renan Demirkan an Ministerpräsident Armin Laschet zu den Folgen der Corona-Krise für Kunst und Kultur.



Corona oder die ‚Waffen’ des Finanzministers

Jede Krise zeigt die Schwachstellen einer Gesellschaft und ihre Stärken wie unter einem Vergrößerungsglas. Sie zeigt ihre Kompetenz und ihre solidarische Kraft. Überschwemmungen genauso –wie Finanzkrisen oder wie jetzt – die Pandemie durch das Corona Virus.

 

Dass und wie sehr Deutschland kompetent – besonnen und solidarisch ist – hat die koordinierte Allianz aus Politik - Medien und Gesellschaft in den letzten zwei Wochen glaubhaft bewiesen. Und hat mich – als eine aus der Risikogruppe ü60 – sogar beruhigt und auch etwas versöhnt mit der extrem beunruhigenden Gefahr durch diesen unsichtbaren Feind unserer Gesundheit und deren Folgen bis in den Intimbereich hinein.

 

Aber ein Satz des Finanzministers hängt mir an wie eine Klette - was – um Himmels Willen! meinte Olaf Scholz – als er sagte: er habe alle ‚Waffen auf den Tisch gelegt’. Und wie kam er auf dieses militante Bild – um seine politische Handlungssicherheit zu bezeugen?

 

Gemischt mit einem überraschend zuversichtlichen Gesichtsausdruck und einem ungewohnten Körpereinsatz - indem er die Arme weit in Richtung der JournalistenInnen öffnete: ‚alle unsere Waffen liegen auf den Tisch’  - 550 Milliarden Euro - um den ‚Abschwung der Wirtschaft aufzuhalten’

 

Seitdem frage ich mich: Für Wen war dieser Satz gedacht – oder gegen Wen gerichtet? Er müsste es doch wissen – ‚Waffen’ sind per Definition ‚Instrumente zur Verwundung oder Tötung eines Gegners’.

 

Also bitte - erklären Sie es mir Herr Scholz: an wen wollen Sie diese 550 Milliarden ‚Waffen’ verteilen?

 

Das Coronavirus lässt sich durch kein Geld aufhalten – durch keine Grenze und schon gar nicht durch Drohungen.

 

Also: wen soll diese Mobilmachung besänftigen – oder wem droht sie etwas an? Und wenn ja – wie sieht diese Bedrohung aus? Oder wen soll diese Waffenlieferung absichern?

 

Nein ich frage Sie nicht – ob Sie vielleicht das Virus töten wollen - Herr Finanzminister – aber ich frage sie – wen wollen sie wirklich retten mit dieser Metapher?

 

Als Jurist müssten Sie doch wissen – dass sie keine Waffen verteilen dürfen! Und ohne Waffenschein geht da ja sowieso nichts – also  –um weiter in ihrer Metapher zu bleiben: wer hat schon den nötigen Waffenschein und wer muss noch einen beantragen und wer käme dafür erst gar nicht in Frage?

 

Ich für mich sage Ihnen – ich will und brauche keinen Waffenschein und ich will auch keine Waffen – ich will – dass sie meine Steuergelder gerecht verteilen – und zwar an die – die in dieser Krise härter betroffen sind und noch sein werden  – als je in einer der vorangegangen Krisen!

 

Und das ist diesmal nicht die Wirtschaft – das sind nicht die Banken – das sind nicht die Aufsichtsräte und niemand von denen  – die auf der Liste der 500 reichsten Millionäre und Milliardäre der Republik stehen – die waren schon vor der letzten Krise gelistet  - und dieser Zirkel wird sich auch nach dieser Krise wieder vergrößern – weil sich wieder mal einige mit unseren Steuergeldern ‚gesundschrumpfen’ werden.

 

Nur damit Sie mich nicht falsch verstehen Herr Scholz:

 

Mir geht es nicht darum – reiche Menschen an den Pranger zu stellen! Ich möchte deutlich machen – dass die Reichen nach dieser Krise ganz sicher nicht ärmer sein werden – während es die Schwachen diesmal wirklich noch viel härter treffen wird:

 

 die Zahl der Wohnungslosen und die Zahl der Bedürftigen vor den Tafeln wird explodieren!

 

 Und ich frage mich seit Tagen – warum haben sie diese Metapher gewählt – wie kommt ein Mensch in Friedenzeiten auf diese Idee? Ich bin Künstlerin – ich muss mich das fragen – denn jeder sprachliche Ausfall ist menschlich und hat menschliche Ursachen? Was war die Ursache bei Ihnen – einem Sozialdemokraten?

 

Also frage ich erneut - warum verteilen Sie unsere Steuergelder als ‚Waffen’ zur Rettung für die Wirtschaft und holen nicht die Wirtschaft als ‚Waffe’ für die Steuereinnahmen an ihren Tisch?

 

Warum rufen sie die 500 reichsten der Republik nicht zu Solidarität mit 80 Millionen ihrer Mitbürgerinnen und Mitbürger auf? oder bitten diese - von sich aus einen solidarischen Beitrag an die Allgemeinheit anzubieten:

 

Warum bitten Sie nicht Frau Klatten - Herrn Albrecht jr. - Herrn Schwarz - Frau Würth  - Herrn Oetker – die Liste ließe sich noch um weitere 495 ergänzen – und da sind die millionenschweren Aktionäre - Banken - Versicherungen und die gesamte Automobilindustrie nicht mitgezählt – warum bitten Sie diese nicht um eine Spende für Deutschland? Dass sie sich bereit erklären - für die nächsten 5 Jahre 75% ihres Einkommens zu versteuern? Es bliebe ihnen noch immer genug in ihren Börsen – mehr als die Mehrheit in einem Jahr verdient.

 

Die Starken könnten diesmal tatsächlich aktiv und wirkungsvoll das allgemeine Wohl stützen - statt wie so oft auf ‚Rettungsringe’ mit unseren Steuergeldern zu spekulieren.

 

Das wäre ein nachhaltiges und wirkmächtiges solidarisches Zeichen der Wirtschaft! Es wäre ein Bekenntnis – die Gesellschaft zusammenhalten zu wollen!  Es wäre ein Eingestehen – dass wir alle Betroffene sind! Es wäre ein sinnhaftes Angebot – gemeinsam gegen das nationalstaatliche Auseinanderdriften im In – und Ausland handeln zu wollen!

 

Stattdessen werden wahrscheinlich Riesenbeträge aus den Rücklagen des letzten Jahrzehnts – die von den Anteilen der Schwachen durch Lohndumping einbehalten wurden - wieder durch die Hinterstuben der ‚Krisengespräche’ auf Auslandskonten und in Abfindungsgehältern versickern.

 

Und ich sage das – fernab aller Verschwörungstheorien! Dies ist eine belegte Erkenntnis nach den vergangenen Krisen - sowie auch während und nach der Vereinigung geschehen!

 

Heute wissen es bereits die Schulanfänger – dass Rettungs-Kredite derzeit so günstig sind– wie seit Jahrzehnten nicht.

 

Trotzdem – und das bestätigen sämtliche Ökonomen der Republik - kann derzeit Niemand die Wirtschaft ankurbeln oder Nachfrage generieren - denn die Produktionsketten sind unterbrochen. Außerdem können kasernierte Menschen nichts kaufen.

 

Aber sie brauchen Geld – um wenigstens ihre Miete und den Lieferservice bezahlen zu können!

 

Auch wenn Kinder und Jugendliche ihre rührende Hilfsangebote für Hilfsbedürftige an Bäume tackern – bleibt es leider nur eine wunderbare Geste und ist kein Trost – denn am Ende des Monats bleibt das Konto leer.

 

Wie wollen Sie mir da helfen Herr Scholz? Welche ‚Waffen’ haben Sie da für mich vorgesehen?

 

Waren sei vielleicht nur überfordert - wie wir alle und fanden nicht die richtigen Worte. Dann sollten sie diesen Satz richtigstellen!

 

Mittlerweile ist es dem größten Skeptiker dieser Virusgefahr klar geworden – dass sie länger dauern wird und anders behandelt werden muss - als alle bisherigen Bedrohungen des gesellschaftlichen Friedens!

 

Deshalb glaube ich fest – dass es dringend notwendig ist – dass sich der Arbeitsminister – der Wirtschaftsminister und der Finanzminister zusammensetzen und einen sozialen Notplan vorlegen müssen – mit einem unbürokratischen Bürgergeld für alle betroffenen Berufsgruppen – die auf Rechnung arbeiten

 

Nötig wäre eine Unterstützung von 1.500€ - um den Ruin abzuwenden und nicht in der Verschuldung zu versinken – denn die meisten dieser Betroffenen haben kaum oder gar keine Rücklagen – um Ausfälle dieser Größenordnung abzufedern.

 

Das wäre eine nachhaltige Investition unserer Steuergelder in die soziale Balance – was sich irgendwann auch wieder auf den Konsum auswirken wird und so in den Wirtschaftskreislauf gehen würde – während die Entschädigungsgelder für Einkommenseinbußen – wahrscheinlich mehrheitlich wieder in Steueroasen verschwinden.

 

Ein sozialer Notplan der Bundesrepublik wäre eine Investition in die Demokratie – die vom Zusammenhalt aller gesellschaftlichen Gruppen lebt!

 

Eine Bereitschaft zu einer höheren Besteuerung der 500 Reichsten wäre eine Vitaminspritze für das lädierte Gemeinwohlgefühl.

 

Beide Maßnahmen zusammen wären eine nachhaltige Stärkung des Gemeinsinns – und ein unübersehbares Signal an alle – dass die offene Gesellschaft offen bleiben wird!

 

Renan Demirkan am 15.3.2020

 

 

 

"Eine Art Gegenentwurf zu Sarrazin"

Die hr-Sendung "Hauptsache Kultur" erklärt "... wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne" zum Gegenentwurf für Thilo Sarrazins Bestseller-Thesen.

Dem Ausgrenzer werden von unseren AutorInnen lebensbejahende Entwürfe für die Weiterentwicklung der offenen Gesellschaft entgegengestellt. 

 

Dort 1 Rassist, hier 43 DemokratInnen: #wirsindmehr

 

Die Sendung finden Sie hier.

 


InTERVIEW ZUM BUCH

Renan Demirkan im WDR-Interview zum Buch "...wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne" und warum sich Engagement für unsere Demokratie lohnt - hört rein:

 

Zum Interview



ES IST VOLLBRACHT!

Unsere Aktionen im Jahr 2018

Am 11. September 2018 erscheint im Schüren-Verlag das von Checkpoint: Demokratie herausgegebene Buch "...wenn ich mir was wünschen dürfte... Impulse für eine Demokratie der Moderne".

 

Das Werk ist voller Inspirationen, Ideen, Analysen und neuen Sichtweisen auf den Zustand unserer Demokratie und deren Zukunft. Eine Festschrift der Demokratie!

 

Mehr zum Buch und den 43 Autorinnen und Autoren erfahren Sie hier. Mitgewirkt haben Philipp Lahm, Guido Maria Kretschmer, Gesine Schwan, Michel Friedmann, Tanja Dückers, Götz Werner, Axel Pape, Hannah Dübgen, Gert Heidenreich, Antonia Rados, Nico Hofmann, Franziska Augstein, Mirna Funk, Sineb El Masrar, Judith Döker u.v.m.

 

Kaufen können Sie das Buch direkt im Schüren-Verlag oder in jeder gut sortierten Buchhandlung.

 

Wir danken allen Mitwirkenden für Ihren Einsatz und sind stolz, in nur etwa drei Monaten dieses wunderbare Werk realisiert zu haben!




Rückblick auf den Aktionstag vom 11.06.2017 in Köln

Am 11. Juni 2017 fand in Köln unter dem Titel „Lasst uns reden!“ ein Bürgerdiskurs statt. Rückblick Programm >>


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